
Mercedes startet Serienfertigung des Axialflussmotors
Mercedes produziert im Werk Berlin-Marienfelde erstmals den Axialflussmotor in Serie. Die kompakte E-Maschine soll bei geringerem Gewicht und Bauraum deutlich mehr Leistung liefern.
Kompori Redaktion
Mercedes hat im Werk Berlin-Marienfelde die Serienfertigung eines Axialflussmotors begonnen. Die von Mercedes als „V8 unter den Elektromotoren“ bezeichnete E-Maschine benötigt ein Drittel weniger Bauraum, wiegt ein Drittel weniger und erreicht die dreifache Leistung herkömmlicher Elektromotoren. Zum Einsatz kommt die Technik zunächst im Hochleistungsumfeld der Mercedes-Tochter AMG.
Was den Axialflussmotor von klassischen E-Maschinen unterscheidet
Bei einem herkömmlichen Radialflussmotor verläuft das Magnetfeld senkrecht zur Drehachse. Beim Axialflussmotor liegt es parallel zu dieser Achse. Dadurch sind die zentralen Bauteile scheibenförmig angeordnet: Ein Stator befindet sich zwischen zwei Rotoren. Wegen dieser sandwichartigen Konstruktion wird die Bauform im Englischen auch „Pancake-Engine“ genannt.
Der kürzere Weg des magnetischen Flusses ermöglicht ein hohes Drehmoment und eine hohe Leistungsdichte. Für Fahrzeuge bedeutet das vor allem mehr Leistung auf engem Raum. Die kompakte Bauform erleichtert außerdem die Anordnung mehrerer Antriebseinheiten im Fahrzeug.
Direkte Kühlung soll Dauerleistung sichern
Ein weiterer Vorteil liegt in der Wärmeabfuhr. Beim Axialflussmotor umströmt eine nicht leitende Flüssigkeit die Kupferspulen direkt. Dadurch lässt sich die beim Betrieb entstehende Wärme besser abführen. Jörg Miska, CEO der englischen Mercedes-Tochter Yasa, erklärt: „Im klassischen Radialantrieb entwickeln die Kupferspulen Wärme, die schwierig abzuführen ist. Und wenn das Kupfer zu heiß wird, fällt die Leistung ab, die Energie verpufft.“
Die verbesserte Kühlung schafft damit die Voraussetzung für eine höhere Dauerleistung. Das ist besonders für Hochleistungsfahrzeuge relevant, bei denen die Motoren wiederholt stark belastet werden. Mercedes verweist auf die Rekordfahrten des Concept AMG GT XX im italienischen Nardo: Auch nach zahlreichen Rennstarts sei kein Leistungsverlust aufgetreten.
Drei Motoren im AMG GT Viertürer
Im AMG GT Viertürer Coupé ist der vordere Axialflussmotor knapp neun Zentimeter breit. Die beiden hinteren E-Maschinen messen jeweils nur acht Zentimeter. Jeder Motor wird gemeinsam mit einem kompakten Planetenradgetriebe in eine High Performance Electric Drive Unit (HP.EDU) integriert.
| Merkmal | Angabe | |---|---:| | Spitzenleistung | 860 kW (1169 PS) | | Drehzahl vorn | mehr als 15.000 U/min | | Drehzahl hinten | 13.000 U/min | | Verbrauch | 17,9 bis 21,0 kWh/100 km | | Beschleunigung 0–100 km/h | 2,2 Sekunden | | Höchstgeschwindigkeit mit Drivers Package | 300 km/h |
Die Anordnung aus einem vorderen und zwei hinteren Motoren zeigt, für welchen Einsatzzweck Mercedes die Technik vorsieht: hohe Leistung bei begrenztem Bauraum. Die Quelle nennt für den AMG GT Viertürer Coupé keine elektrische Reichweite, Batteriekapazität oder Ladezeit im regulären Betrieb.
Belastungstest mit 850 kW Ladeleistung
Der Prototyp absolvierte 2025 in Nardo einen umfangreichen Dauerlauf. In sieben Tagen und 13 Stunden legte das Versuchsfahrzeug mehr als 40.000 Kilometer zurück und stellte 25 Langstreckenrekorde auf. Ein Rekord führte über 10.000 Kilometer in 44 Stunden. Pro Tag wurden durchschnittlich 5300 Kilometer gefahren, bei Temperaturen von mehr als 35 Grad Celsius.
Während der kurzen Stopps wurde die Batterie mit 850 kW geladen. Diese Angabe beschreibt die Ladeleistung bei den Rekordfahrten und ist nicht automatisch eine allgemeine Ladezusage für ein Serienfahrzeug.
Präzision als zentrale Produktionsanforderung
Die Serienfertigung erfordert neue Verfahren, hohe Prozesssicherheit und umfangreiche Automatisierung. Eine Schlüsselrolle spielt rechteckiger Kupferdraht für die Statorspulen. Im Vergleich zu rundem Draht lässt sich damit mehr Metall unterbringen, ohne zusätzlichen Bauraum zu benötigen. Der Draht muss dafür schnell, in engen Radien und faltenfrei gebogen werden. Mercedes entwickelte dieses Verfahren gemeinsam mit Partnern.
Bei der Endmontage wird der Stator zwischen den beiden magnetischen Rotorscheiben positioniert und verbunden. Dabei können Kräfte von bis zu neun Kilonewton wirken, was ungefähr dem Gewicht von 900 Kilogramm entspricht. Der Stator muss mit einer Toleranz von weniger als 0,1 Millimeter in der magnetischen Mittelebene bleiben. In der letzten halben Sekunde korrigiert ein Algorithmus die Position mit hochfrequenten Regelimpulsen.
Der Fertigungsprozess umfasst 98 Schritte. Mercedes setzt davon 65 erstmals ein; 35 gelten weltweit als neu. Für die Fertigung hat der Hersteller 30 Patente angemeldet. Für Flotten- und Gewerbekunden ist zunächst entscheidend, dass die Meldung den Produktionsstart bestätigt, aber weder Preise noch allgemeine Verfügbarkeit oder konkrete weitere Modelle nennt.

Quelle: Auto-Medienportal, „Der V8 unter den E-Maschinen: Mercedes startet Produktion des Axialflussmotors“, https://www.auto-medienportal.net/artikel/detail/70306 Auto-Medienportal

Mercedes Axialflussmotor für AMG-Hochleistungsfahrzeuge
1 / 7










